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Rita T. arbeitet seit einigen
Jahren in der Spitalreinigung. Früher war sie direkt vom Spital angestellt.
Dann wurde der Auftrag an eine private Firma gegeben. Rita T. wurde zwar
von dieser Firma wieder angestellt. Für die gleiche Arbeit erhält
sie jetzt aber pro Stunde 2 Franken weniger. Frauen sind von Privatisierung
und Abbau des Service public in der Schweiz in vielen Hinsichten besonders
betroffen:
Auf internationaler Ebene
stellt sich insbesondere der Aspekt der Entsolidarisierung noch zugespitzt
dar. Das Dienstleistungsabkommen GATS mit seiner Philosophie des freien
Marktes im Bereich der Dienstleistungen trifft gerade auch Frauen in den
ärmeren Teilen der Welt besonders hart. Da Frauen generell über
weniger Geld verfügen, sind sie stärker auf eine kostenlose
oder erschwingliche öffentliche Grundversorgung angewiesen. Wo diese
fehlt, verschärft sich die globale Ungerechtigkeit. Besonders verheerend
ist in verschiedenen Ländern die fortschreitende Privatisierung der
Wasserversorgung. Das Wasser wird dadurch so teuer, dass es sich ärmere
Menschen nicht mehr leisten können. So müssen beispielsweise
in Südafrika die Frauen immer weitere Wege in Kauf nehmen, um sauberes
Wasser zu beschaffen. Da das teure Wasser in den Townships voraus bezahlt
werden muss, helfen sich die Frauen auch nicht mehr gegenseitig aus -
sie können es sich schlicht nicht leisten. Ähnliche Erfahrungen
gibt es auch aus anderen Ländern, beispielsweise aus Indien, wo ganze
Flüsse privatisiert wurden, die bisher zum Waschen, Fischen und zur
Bewässerung von Feldern genutzt wurden. Die Menschen werden durch
die Privatisierung ihrer Lebensgrundlage beraubt. Auch im Hinblick auf
die Gesundheitsversorgung wird die Privatisierung für manche Frauen
zu einer Frage von Leben oder Tod. In Harare (Zimbabwe) hat sich die Sterberate
von Frauen bei der Geburt nach 1995 innerhalb von zwei Jahren verdoppelt,
nachdem das Gesundheitsbudget um ein Drittel gekürzt worden war.
Auf der anderen Seite führt der angestrebte freie Personenaustausch
dazu, dass Gesundheitsfachkräfte aus Jamaica oder den Philippinen
in die USA arbeiten gehen, während im eigenen Land ein grosser Mangel
an Pflegepersonal herrscht. Laut einem WTO-Bericht von 1995 blieben durch
diese Abwanderung in Jamaica 50% der Stellen im Pflegebereich unbesetzt. Was den Zugang zur Bildung
betrifft, so wird aus Zambia berichtet, dass die Privatiserung der Grundschule
dazu führte, dass vielfach nur noch die Söhne angemeldet werden. Es gibt also gerade für
Frauen viele Gründe, sich für einen starken Service Public und
gegen das Diensleistungsabkommen GATS einzusetzen. GATS erhöht die
unbezahlte Arbeit von Frauen und verstärkt die soziale Polarisierung,
es führt zur Deregulierung der Arbeitsbedingungen und grenzt "weiche"
Werte wie soziale und ökologische Standards, Umwelt, Verbraucherschutz
und Geschlechtergerechtigkeit aus.
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